Geschichte der Brille



Die Erfindung der Brille war ein großer kultureller Fortschritt für die Menschheit:
Anfangs konnten nur konvexe Sehhilfen zur Kompensation der Alterssichtigkeit hergestellt werden. Erst mit Hilfe der Brille konnten alterssichtig gewordene Gelehrte weiterhin lesen und schreiben. In weiterer Folge, etwa um die Mitte des 15.Jahrhunderts, wurden auch konkav geschliffene Gläser zur Korrektion der Kurzsichtigkeit gefertigt. In früheren Zeiten waren Sehhilfen kleine Kunstwerke des Brillenmacherstandes.


Das Altertum
Marcus Tullius Cicero (106-43 v.Chr. römischer Rechtsgelehrter, Politiker und Schriftsteller) klagte in einem seiner Briefe, über die Abnahme des Sehvermögens im Alter. Er schrieb, dass ihm nichts weiter übrig bliebe, als sich von Sklaven vorlesen zu lassen.


Der Lesestein 
Um 1240 wurde das Buch des Arabers Ibn el Heitam in das Lateinische übersetzt. Westeuropäische Mönche griffen den Gedanken Ibn el Heitam's auf und fertigten halbkugelige Plankonvexlinsen. Diese erste Lesehilfe wurde mit ihrer ebenen Fläche auf Schriften gelegt, womit eine erhebliche Vergrößerung der Schriftzeichen erreicht wurde. Alterssichtig gewordene Klosterbrüdern konnten wieder Lesen!
Der Lesestein wurde in erster Linie aus Quarz oder Bergkristall gefertigt. Außerdem dienten Halbedelsteine, so genannte Berylle, als Rohmaterial.

In diesem Zusammenhang tauchte der Name "Brille" zum ersten Mal auf: Eine aus Beryll geschliffene Linse wurde "Brill" genannt - zwei solch gefasste Linsen bekamen den Namen "Brille"


Die Nietbrille
Die so genannten Nietbrillen bestanden aus Eisen, Holz oder Horn und besaßen noch keinerlei Befestigung für den Kopf. Sie wurden einfach vor die Augen gehalten. Nietbrillen waren zu dieser Zeit sehr wertvoll und blieben, wie so viele Dinge dieser Zeit, den Angehörigen der gelehrten und reichen Stände vorbehalten.



Die Bügelbrille
Die erste technische Verbesserung erfuhr die Brille etwa in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Die Nietbrille bestand noch aus zwei bloß übereinander genieteten, instabilen Teilen. Bei der nun verbesserten Konstruktion wurden zwei gefaßte Gläser mittels eines Bügel bzw. Bogen verbunden. Sie wurden aus Eisen, Bronze, Holz, Leder, Knochen, Horn und Fischbein angefertigt.
1445 erfand Johann Gutenberg den Buchdruck - die Nachfrage nach Lesehilfen stieg von nun an immer mehr.
Um das mühsame Vorhalten der Brille überflüssig zu machen, wurde in weiterer Folge der Bügel mit Einschlitzungen versehen. Dies machte den Steg elastischer und ermöglichte einen behelfsmäßigen Sitz der Brille auf der Nase.



Die Mützenbrille
Eine einfache Hilfskonstruktion erlaubte es, die Brille an einer tief sitzenden Mütze zu befestigen. Diese originelle Art der Sehhilfe verwendete man vom 15. bis in das 18. Jahrhundert. Als Material diente zumeist Eisen.
Die Mützenbrille - auch Stirnfortsatzbrille genannt - wurde hauptsächlich von Frauen und Personen des höheren Standes getragen, da sie beim Grüßen die Kopfbedeckung fast nie abnehmen mussten.



Der Brillenmacher
1535 wurde die erste Brillenmacherzunft in Nürnberg gegründet.
Etwa um 1560 entstand obige Abbildung des Holzschnittes vom Brillenmacher. Niemand
geringerer als Hans Sachs dichtete den Reim, in dem er von "klar und lichten Brillen" spricht


Das Monokel
Das Monokel findet man, als Weiterentwicklung des Lesesteins, bereits im 14. Jahrhundert . Anfangs wurde es noch mit der Hand über den Text, bzw. vor das Auge gehalten. Den gravierenden Vorteil des Einklemmens zwischen Wange und Oberlid erkannte und nutzte man erst im 16. Jahrhundert. Richtige Verbreitung erlangte es aber erst um 1800. Zu dieser Zeit setzten sich Sehhilfen auch in der bürgerlichen Mittelschicht durch. Das Monokel wurde nun zu einer echten Mode-Erscheinung. Es wurde vielfach als Ausdrucksmittel der eigenen Persönlichkeit benutzt: Zur Selbstdarstellung auffallend vor das Auge geklemmt, konnte man es schnell in die Westentasche gleiten lassen.


Der Zwicker
Das 16. Jahrhundert brachte eine weitere, damals weit verbreitete, Sehhilfe hervor: Der Zwicker. Anfänglich wurden die beiden Glasfassungen mit einem Federbügel aus Eisen oder Kupfer verbunden. Später wurden die Glasfassungen mit einem Lederpolster versehen um Druckstellen auf der Nase zu minimieren. Die Hochblüte der Zwicker währte vom 17. bis in das 19. Jahrhundert.


Die Fadenbrille
Der extrem unangenehmen Druck auf die Nase erwies sich als großer Nachteil der Zwicker. Ende des 16. Jahrhunderts kam man auf den Gedanken, die Brille mit einem Faden um die Ohren zu befestigen. Diese, auch Pindtbrillen (von binden) genannten, Lesehilfen hatten ihren wahrscheinlichen Ursprung in Spanien. Zum ersten Mal in der Entstehungsgeschichte der Brille waren einerseits bei ihrer Benutzung die Hände frei, andererseits ein relativer Halt ohne Druck auf der Nase gegeben.


Das Lorgnon
Das Lorgnon findet noch heute mit einem Stiel zum Vorhalten Verwendung.
Im 18. Jahrhundert eroberte das Lorgnon den deutschsprachigen Raum. An der Wende zum 19. Jahrhundert erfreute es sich großer Beliebtheit in Frankreich.Das Lorgnon wurde zumeist von Damen benutzt - wir kennen wertvolle, verzierte Variationen.


Die Ohrenbrille
Jahrhunderts entstanden Brillen mit seitlich angebrachten Stangen, so genannte "Schläfenbrillen". Um einen besseren Sitz zu erzielen, wurde das Ende der Stangen oft mit einem Metallring versehen. Die Entwicklung einer Brille, die hinter dem Ohr befestigt wird benötigte 500 Jahre!
Um den Tragekomfort zu steigern, entwickelte man immer besser konstruierte Bügel und angenehmere Nasenauflagen.
Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurden immer wieder neue Werkstoffe gefunden - in den 40ern eroberten Kunststoffe die Fassungsindustrie, Kunststoffgläser minimierten das Brillengewicht. In den 80ern hielt das Leichtmetall Titan Einzug. Brillen unter 15 Gramm sind heute keine Seltenheit mehr!


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